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LIBERTY - AUS DEM ALTEN OFFENBURGER KNAST WIRD EIN DESIGN-HOTEL

CHECKBOX

  • Kunde: Hotel Liberty
  • Design: KNOBLAUCH
  • Konzept, kreative Leitung, Bauleitung, GU, Ausbau, Einrichtung, Markenmöbel

Kompetenz

Anfang Oktober war es so weit. Nach fast dreijähriger Planungs- und Bauphase eröffnete im ehemaligen Offenburger Gefängnis das Designhotel Liberty in Offenburg mit 38 Zimmern und Suiten, einem Spitzenrestaurant und mit ganz besonderem Flair. Ein herausforderndes Projekt für uns. Es galt, das historische und sensible Erbe des Knastgebäudes mit der richtigen Portion an Unbeschwertheit zu verbinden.

Wirklich nachfühlen können es die Wenigsten. Beim Versuch, sich in die Welt eines Gefangenen hineinzuversetzen, erfuhren wir eine Fähigkeit, die im Alltag oft zu kurz kommt:  Die Fähigkeit, in allem auch etwas Positives zu sehen. Was verbinden wir zunächst mit den Gedanken an ein Leben hinter Gittern? Eingesperrt sein, Entbehrungen und verlorene Zeit. Doch dass das Düstere auch etwas Gutes hat, scheint  im ersten Moment kaum denkbar. Eingesperrt sein bedeutet auch Schutz und Rückzug  – vor sich selbst, den anderen und der Welt da draußen.  Entbehrungen erfordern eine Konzentration auf das Wesentliche und bilden somit die Grundlage für Luxus. Verlorene Zeit, oder besser zu viel Zeit, lässt die Gedanken in die Ferne und in die Freiheit schweifen – ein kostbares Gut für die damaligen Insassen. Aber auch ein nicht einlösbares Gut. Der Moment, ist der eigentliche Reichtum.

Alle drei Elemente – Rückzug, Konzentration und der Moment – sind Bedürfnisse unserer heutigen Gesellschaft. Genau das bietet und vermittelt das Liberty seinen Gästen.

Das Gebäude an der Offenburger Grabenallee wurde unter Großherzog Leopold von Baden ab 1843 gebaut und bot zunächst  Platz für 40 Häftlinge. Nach dem Scheitern der Badischen Revolution in den Jahren 1848 und 1849 saßen auch Offenburger Revolutionäre ein. Die Entstehung des Gefängnisses geht zeitlich mit der Industrialisierung in Deutschland einher. Deswegen kommen im Hotel viele robuste Materialien und dunkel-raue Oberflächen zum Einsatz. Mit der industriellen Entwicklung zog aber auch mehr und mehr Wohlstand in der Bevölkerung ein. Die Essgewohnheiten änderten sich, der Genuss von Fleisch rückte in greifbare Nähe. Deshalb ist ein großer Grill mit messing-goldener Haube das Herzstück des offenen Restaurantbereichs im Liberty. Ein großes und gut sichtbares Highlightelement, dessen edle Oberfläche für die Wertschätzung von Luxus steht.  Fließendes Wasser ist eine weitere Errungenschaft  des 19. Jahrhunderts. Große, freistehende Badewannen in den Zimmern sowie die besonderen Armaturen von Axxo – ebenfalls  in Messingoptik – unterstreichen den aufkeimenden Komfort.

Immer wieder tauchen aber auch Originalelemente des ehemaligen Knasts auf. So wurden die alten Zellentüren wieder verwendet. Zwar nicht als richtige Zimmertüren – dafür waren sie einfach zu klein –  aber als daneben stehende Fenster in die Vergangenheit: In den Luken, durch die früher das Essen gereicht wurde, verstecken sich Fotografien des alten Gefängnisses.  Auch die Gitter kommen teilweise zum Einsatz, zum Beispiel als WC-Spiegel in den Damentoiletten.

Aus alten Balken wurden Tische gebaut. Selbst die Beleuchtung in den Treppenhäusern spielt mit der Vergangenheit des Gebäudes: Horizontal ausgerichtete Leuchten erinnern an eine Leiter, mit der ein Fluchtversuch gewagt wurde. An andere Stelle wurden Leuchten in ein Seil mit Knoten eingewoben – auch eine Möglichkeit, aus dem Gefängnis auszubrechen.

Das Hotel besteht aus zwei separaten Gebäuden und dem neuen Glasbau. Die 38 Zimmer und Suiten verteilen sich in den Gebäuden, der öffentliche Bereich mit Restaurant, Bar und Lobby ist im großen, dazwischen sitzenden Kubus aus Glas beheimatet. Er ist zum einen eine optische Verbindung der beiden Hoteltrakts, symbolisiert aber auch den früheren Gefängnishof.  Das Restaurant „Brot & Wasser“ wird vom französischen Spitzenkoch Jeremy Biasiol betrieben und verfügt über stilvoll eingedeckte Tische sowie eine lange Tafel aus grobem Eiche-Altholz, die zu geselligem Zusammensitzen einlädt.

Auf einer Zwischenebene wurde ein halb-öffentliches Wohnzimmer für die Hotelgäste eingebaut, angelehnt an den früheren Gemeinschaftsraum der Häftlinge. Im zweiten Stock befindet sich ein Konferenzraum. Verbindendes Element im gesamten Bereich ist ein riesengroßes, stockwerkübergreifendes Bücherregal, das zum einen die Akustik im Glasgebäude verbessert, zum anderen aber auch wieder dem Thema Zeit zuspielt: Zeit für Muse, Zeit für ein Buch, Zeit für dem Moment. Vielleicht würde man in einem Lobbybereich einen Teppich vermuten. Den gibt es, allerdings in abgewandelter Form – nämlich als Muster eingefräst in den Betonboden. Zwar ohne Farben, dafür aber auch ohne Kanten und Stolperfallen. An Gemütlichkeit  fehlt es dennoch keinesfalls.

Je nach Größe wurden zwei bis drei ehemalige Zellen zu einem Zimmer zusammengelegt. Teilweise wurden Raumteiler eingebaut, die die ursprünglichen Räumgrößen aufnehmen und die Beengtheit, in der die Insassen hausten, indirekt spürbar machen. Gleichzeitig vermitteln sie durch die transparente Abtrennung des Schlafbereichs dem Gast jedoch das Gefühl der Geborgenheit. Ein Charaktermerkmal sind zum einen die freistehenden Badewannen, aber auch der gesamte, bewusst wohnlich gestaltete Waschbereich mit aufgesetzten Waschschüsseln.  Die Wände werden von Werken des Offenburger Künstlers Stefan Strumbel geschmückt. Sie zeigen Strumbels Interpretationen zum Thema Gefangenschaft und Freiheit.

Das Knastambiente ist einer absoluten Wohlfühlatmosphäre gewichen. Liberty ist Member of Design Hotels, eine Vereinigung, die rund 270 ausgewählte Hotels in 50 Ländern vertritt und kuratiert. Jedes Hotel spiegelt eine besondere Idee, Vision oder Geschichte wider und steht für echte Gastlichkeit, kulturelle Authentizität, sowie besonderes Design und Architektur.

Von Anfang 2015 bis ins Frühjahr 2016 begleiteten wir die Hotelbetreiber mit dem Konzept und der Planung. Im November 2016 übernahmen wir außerdem die gesamtgestalterische Leitung, die Bauleitung und Generalunternehmung für den kompletten Hotelbau. Innerhalb von nur einem halben Jahr wurde dann der Ausbau realisiert und fertiggestellt. Auch das Möblierungskonzept ist von uns und  wir lieferten die Designermöbel aus dem eigenem Showroom in Markdorf:  Arflex, Carl Hansen, Dutchbone, Fritz Hansen, Hay, KKF, Norr11, Manufactum, Mater, Prostoria, Softlin, Topos und &tradition Hay.

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