Vorsichtig stellt Dominik den Eichekoffer auf den schwarzen MDF-Korpus, der bereits auf einem Eichgestell montiert ist. Hier ist bis auf den Millimeter Genauigkeit gefragt. Dominiks Gesellenstück, ein Sideboard, ist fast fertig. In wenigen Tagen wird die Handwerkskammer die Maßarbeit begutachten und bewerten.
„Von der Optik her habe ich es an mein Projektmöbel aus dem zweiten Lehrjahr angepasst“, erläutert der 18-Jährige. Damals hatte er eine Sitzbank mit Schuhfach gebaut – ebenfalls ein Mix aus geölter Eiche und schwarzem MDF. Jetzt gibt es das passende Sideboard dazu für den Fernseher. Fachkundige erkennen sofort: Hier wurde höchste Schreinerkunst angewendet. Schlitz und Zapfen verbinden das Gestell rechtwinklig. Es gibt drei Schubkästen, fingerverzinkt mit klassischer Führung. „Hat Spaß gemacht“, sagt Dominik und lacht. Mit knapp 16 Jahren hat er direkt nach dem Realschulabschluss mit der Schreinerlehre bei Knoblauch begonnen. Jetzt bleibt er erstmal in der Produktion und sammelt weiter Erfahrungen.
Auch Julian Feistenberg hat sich für ein Sideboard als Gesellenstück entschieden. Zwei Mal Sideboard, zwei Mal ein Design, das nicht unterschiedlicher sein könnte. „Mein bisheriges Sideboard zuhause ist so ein großes, klobiges Ding“, sagt Julian, „jetzt wollte ich etwas Filigranes, Geradliniges bauen.“ Ein bisschen Japandi-Style: Skandi trifft auf japanische Kunst. Ruhig, modern, minimalistisch.
Julian wählte helle Weißtanne. Sein Ziel: Die Wände sollen so schmal wie nur möglich sein, der Korpus steht auf einem zierlichen Gestell. Dazu zwei Schiebetüren mit Fenstern, hinter denen japanisches Papier liegt. Auch Julian hat nach allen Regeln der Schreinerkunst gearbeitet: Schwalbenschwanzverzinkungen, durchgestellte Zapfen und vieles mehr.
Anders als bei Dominik ist es für den 36-jährigen Julian bereits die zweite Ausbildung. Julian ist gelernter Koch, wollte vielleicht noch studieren. „Dann habe ich Knoblauch kennen gelernt und mir gedacht: So eine Schreinerausbildung wäre auch nochmal was richtig Spannendes!“, erinnert er sich. Drei intensive Lehrjahre liegen hinter ihm. „Sich nochmal zurückzunehmen und als Lehrling neu anzufangen war schon eine Herausforderung“, sagt er, „aber es hat sich gelohnt!“ Julian wird bei mogX, also im Bereich Fahrzeugbau/Sonderbau bei Knoblauch, arbeiten.
Zwei Gesellen, zwei Sideboards, zwei Kollegen!