Vier Wochen in einem anderen Land arbeiten, neue Menschen kennenlernen und dabei auch noch jede Menge Erfahrungen sammeln? Genau das durfte ich diesen Sommer erleben.
Ich bin Luisa und bin aktuell am Ende des zweiten Lehrjahres meiner Ausbildung zur technischen Produktdesignerin bei der Konrad Knoblauch GmbH. Über KNOBLAUCH habe ich vom Programm „Go for Europe“ erfahren, das Auszubildenden die Möglichkeit bietet, während der Ausbildung ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Als ich davon hörte, war für mich sofort klar: Diese einmalige Chance möchte ich nutzen!
Im Juli ging es endlich los. Gemeinsam mit drei weiteren Auszubildenden, die ich bereits bei den Vorbereitungstreffen kennengelernt hatte, machte ich mich auf den Weg nach Kroatien.
Für mich startete die Reise am Abend in Ulm. Im Nachtzug einzuschlafen und am nächsten Morgen in Ljubljana aufzuwachen, war schon ein Erlebnis für sich. Nach einem weiteren Umstieg erreichten wir schließlich Rijeka in Kroatien – unser Zuhause für die nächsten vier Wochen.
Als wir auf den letzten Kilometern aus dem Zugfenster das erste Mal das Meer sahen, war die Müdigkeit schlagartig vergessen. In diesem Moment wurde mir bewusst: Jetzt beginnt ein ganz neuer Abschnitt meiner Ausbildungszeit.
Mein Praktikum absolvierte ich bei MF Arhitekti, einem kleinen Architekturbüro mit spannenden Projekten in der Region Rijeka und ganz Istrien. Der Schwerpunkt liegt auf Wohngebäuden, Schulgebäuden sowie Projekten im Hospitality-Bereich. Im Vergleich zu KNOBLAUCH war das eine komplett andere Arbeitswelt – deutlich kleiner, persönlicher und sehr familiär durch die 8 Mitarbeiter:innen.
Schon am ersten Tag wurde ich herzlich von Geschäftsführer Marko Frankovič empfangen und persönlich eingearbeitet. Besonders praktisch war, dass dort mit demselben CAD-Programm gearbeitet wird, das ich bereits aus meinem Ausbildungsalltag kenne. Zwar war alles auf Englisch eingestellt, ich konnte mich aber trotzdem schnell umgewöhnen.
Während meines Praktikums durfte ich Gebäudepläne und Ansichten für verschiedene Bauprojekte erstellen. Besonders häufig ging es um die Modernisierung bestehender Wohnhäuser. Eines meiner Lieblingsprojekte war der Umbau eines Kinos in der Küstenstadt Crikvenica. Dabei habe ich nicht nur fachlich viel gelernt, sondern auch spannende Einblicke in die Situation vor Ort bekommen.
So erzählte mir mein Chef beispielsweise, dass es in der Region viele leerstehende Häuser gibt, Wohnraum gleichzeitig aber immer teurer wird. Viele Bauherren kommen deshalb inzwischen aus anderen Ländern, die dann hier bauen. Überraschend fand ich außerdem, dass für Wohngebäude in den Sommermonaten teilweise ein Baustellenverbot gilt – etwas, das ich aus Deutschland überhaupt nicht kannte.
Mein Arbeitsweg führte mich jeden Morgen mit dem Bus quer durch Rijeka. Das klang einfacher, als es anfangs war.
In den ersten Tagen musste ich mich erst daran gewöhnen, dass die Busse hier nicht im festen Takt fahren, wie ich es aus Deutschland kenne und man flexibel sein musste. Google Maps wurde schnell zu meinem täglichen Begleiter. Nach kurzer Zeit wusste ich aber genau, wann und wo ich umsteigen musste, sodass der Arbeitsweg zur Routine wurde.
Neben der Arbeit besuchten wir einen Sprachkurs und lernten die Grundlagen der kroatischen Sprache etwas kennen. Anfangs klangen die Wörter noch ziemlich kompliziert, doch schon nach wenigen Tagen konnte ich im Büro, im Supermarkt oder im Bus bei den Gesprächen etwas verstehen und auch anwenden.
Natürlich wollten wir die Zeit in Kroatien nicht nur in Rijeka verbringen, sondern nutzten die Wochenenden auch dazu, die Umgebung zu entdecken. Unsere Ausflüge führten uns unter anderem nach Opatija, nach Pula mit dem historischen Amphitheater, nach Rabac sowie auf die Insel Krk mit türkisblauen Buchten und klarem Wasser. Dabei konnten wir viele unterschiedliche Seiten des Landes kennenlernen – von kleinen Küstenorten über beeindruckende historische Sehenswürdigkeiten bis hin zu wunderschönen Stränden.
Besonders schön war es, die langen und warmen Sommerabende gemeinsam ausklingen zu lassen. Einer meiner Lieblingsorte in Rijeka war die hochgelegene Burg Trsat, von der aus man einen tollen Blick über die Stadt und die Kvarner Bucht hatte.
Türkisblaues Wasser, Sonne und nach Feierabend noch schnell ins Meer springen – daran habe ich mich gerne gewöhnt.
Eines meiner größten Highlights verdanke ich einer Kollegin aus dem Architekturbüro. Sie empfiehl mir das traditionelle Fest „Pomorska Bitka“ in der Küstenstadt Bakar. Was uns dort erwartete, war beeindruckend: Eine historische Parade, Musik, ein riesiges Straßenfest und als Höhepunkt die Nachstellung einer Seeschlacht mit historischen Segelschiffen, Kanonenschüssen und einem spektakulären Feuerwerk. Das sorgten für eine Atmosphäre, die ich so noch nie erlebt habe und zeigte mir Kroatien noch von einer ganz anderen Seite.
Ein weiteres Highlight war für mich die „Balinjerada“ in Opatija. Dabei handelt es sich um ein traditionelles Seifenkistenrennen, bei dem die Teilnehmer verkleidet in ihren selbstgebauten Fahrzeugen die Straßen von Opatija hinunterfahren. Schon beim Zuschauen merkt man, wie viel Spaß und Leidenschaft hinter diesem Fest steckt. Die ganze Stadt war voller Menschen, Musik und guter Stimmung. Opatija selbst bot dabei die perfekte Kulisse – mit den schönen alten Gebäuden und der Lage direkt am Meer wirkte das Ganze fast wie ein kleines Monte Carlo. Es war ein Erlebnis, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Wenn ich auf die vier Wochen in Kroatien zurückblicke, denke ich vor allem an die vielen kleinen Momente, die diese Zeit besonders gemacht haben: die ersten Gespräche auf Englisch, meinen Alltag im Architekturbüro, neue Arbeitsweisen, unbekannte Orte und die Begegnungen mit Menschen, die ich ohne diesen Aufenthalt wahrscheinlich nie kennengelernt hätte. Ich konnte viele neue Eindrücke aus dem Berufsalltag in einem anderen Land sammeln und erleben, wie spannend es ist, über den eigenen Arbeitsalltag hinauszublicken. Gleichzeitig habe ich gelernt, mich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden, offen auf Menschen zuzugehen und auch ungewohnte Situationen selbstständig zu meistern. Besonders schön war es zu sehen, wie aus einer zunächst fremden Stadt mit der Zeit ein Ort wurde, an dem man sich zuhause fühlt. Aus den ersten Tagen voller neuer Eindrücke wurde schnell eine Zeit voller vertrauter Abläufe, schöner Begegnungen und Erinnerungen, die bleiben.
Ein großes Dankeschön geht an KNOBLAUCH für diese tolle Möglichkeit, sowie an das Programm „Go for Europe“, das durch Erasmus+ und das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg gefördert wird.
Ich würde diese Chance jederzeit wieder nutzen und kann sie jedem Azubi nur ans Herz legen.
Puno vam hvala na ovom iskustvu!
Vielen Dank für diese unvergessliche Erfahrung!